Kochen in Amerika – oder warum ich auf einmal der Chefkoch bin

Ich würde mich nicht als besonders ambitionierter Koch bezeichnen. Aber ich behaupte von mir, ich kann kochen. Vom Schnitzel mit Kartoffelsalat zu Pasta, Spätzle, Risotto, Fisch und was es noch so alles gibt. Eher alltägliche Standardgerichte würde ich sagen. Wenn ich mag gibt es aber auch mal was ausgefalleneres, den vielen Online-Rezepteseiten sei dank 😊 Und auch backen kann ich, da habe ich nur leider nicht so viel Geduld für außergewöhnliche Kreationen. Tatsächlich bin ich mit diesen Fähigkeiten der Ober-Chefkoch hier.

Kochkunst in Amerika – Fehlanzeige

Oft sieht man es ja schon an den Restaurants. Mehr als Burger, Sandwiches und Salate haben diese oft nicht zu bieten. Wenn es hochkommt noch Pasta oder Tacos. Alles Gerichte, die wie ich finde keine hohe Kochkunst benötigen. So ein Restaurant könnte auch ich aufmachen 😉 Und natürlich zu jedem Gericht schön Pommes. Da braucht man sich über so manche übergewichtige Person nicht wundern. Die einzigen Restaurants die etwas „mehr“ an Kochkunst bieten sind Mexikaner und Asiaten, zumindest gibt es dort viel mehr Gemüse und auch die Kreationen sind etwas einfallsreicher als so ein Hamburger.

Kochen bei Amerikanern zu Hause – ebenfalls Fehlanzeige

Meine ersten Erfahrungen mit dem „Nicht-Kochen“ habe ich mit den Mamis in meiner ersten Krabbelgruppe gemacht. Diese hat es von den Socken gehauen als ich erzählte, dass ich selbst Brot backe und einen Eintopf gekocht habe (man merke bei Eintopf wirft man nur Gemüse und Fleisch in eine Brühe und kocht es eine Stunde….!). Einmal habe ich auch Brot und deutsche Wurst mitgebracht. Eine Mutter meinte nur, sie sei sehr „picky“. Als ich sie fragte was sie denn gerne isst hieß es: „Pizza“. Das würde auch ihr Übergewicht erklären.
Aber weiter: Je mehr ich erzählte was ich Lovebug so zu essen gebe, umso erstauntere Blicke habe ich geerntet. Da ich Breifrei ernähre also das gebe, was ich auch normalerweise esse, und das muss man schließlich meist kochen. Selbst einfache Gerichte ließen die Augen groß werden. „WAS LASAGNE KANNST DU??“. Als ich zum Abschied einen selbst gemachten Kuchen mitbrachte ( den wirklich einfachsten Karottenkuchen ever!), bemerkten alle dass sie entweder noch nie gebacken haben oder nicht backen könnten.

Nur Fertiggerichte

Wenn die anderen Mamis mal was mitbrachten, dann waren es immer gekaufte Muffins oder Kuchen, bereits geschnittenes Obst und Gemüse oder gekauftes gebratenes Hühnchen. Natürlich alles schön verpackt in Plastik oder To-Go Container 🙁 Als ich dann mal im Supermarkt war, fiel mir die Fülle der Fertiggerichte auf. ES gibt wirklich ALLES fertig zukaufen. Burger, Waffeln sämtliche Pastagerichte, gefüllte Paprikaschoten und sogar Steak! Ich bin aus dem Schauen gar nicht mehr raus gekommen. Die Preise sind auch nicht allzu hoch. Aber die Zusätze, Aromastoffe und Konservierungsstoffe in diesen Gerichten sind wirklich der Abschuss. Zudem kommt immer ein Haufen zusätzlicher Zucker. Selten sind die Gerichte Bio, also immer konventionell angebautes Gemüse und hergestelltes Fleisch. Es ist wirklich traurig.

Warum kochen die Amerikaner nicht

Als ich diese Frage stellte gab es verschiedene Antworten: zum einen fehlt die Zeit. Ich denke das ist wirklich eine schlechte Ausrede. Natürlich ist ein Leben mit einem oder mehreren Kindern stressig und oft bleibt nicht viel Zeit zum Kochen. Aber Nudeln, Reis oder Gemüse geht doch immer schnell oder? es ist wie ich finde eine Sache der Priorität. Zum Anderen ist das Problem, dass sie wirklich nicht wissen wie. Anscheinend haben es die Eltern nicht beigebracht – Schüler essen oft in der Kantine und morgens und abends wird oft nicht gekocht. Oder sich nur schnell was geholt. Am Wochenende gehen die Amerikaner gerne aus zum Essen. Wo bleibt da die Zeit zum kochen und kochen lernen zuhause? Auf der Strecke ☹ Auch die Snacks, die die Kinder auf dem Spielplatz sind leider oft sehr ungesund.

Zudem habe ich in einigen Zeitschriften ein paar Kochrezepte entdeckt. Die Beschreibung der Zubereitung war so langwierig und kompliziert, dass ich nicht eine Sekunde daran gedacht habe es selbst zu machen. Die Tomaten für die Tomatensoße müssen schließlich ohne Haut sein und die Brotkrumen für eine Fleischfüllung 6 Stunden eingelegt werden…blablabla…Wenn nun alle Rezepte so kompliziert sind, dann wundert mich das natürlich nicht. Aber so kann es doch nicht sein.

Ehrlich gesagt mache ich mir wirklich Sorgen um die zukünftigen Generationen in den USA. Wenn selbst die heutige Elterngeneration keine Ahnung vom Kochen hat, wie soll es denn die nächste wissen? Die Fertigprodukte Nahrungsmittelindustrie freut sich gewaltig. Auf Kosten der Gesundheit.

Das Beste zum Schluss:

Die wirklich beste Situation war folgende: ich brachte zur Krabbelgruppe eine Schale aufgeschnittene Ananas mit. Erstaunt wurde ich angeschaut: „Hast du die etwa selbst geschnitten?“

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