Das Kleinkind nachts abstillen – unser Weg

Nachdem nun das Einschlafen ohne Stillen klappt bin ich nach einigen Wochen zum nächsten Schritt übergegangen. Das Stillen in der Nacht aufhören. Der Grund: Lovebug wurde bis zu 10 mal wach und wollte trinken, bzw. nuckeln. Es war einfach zu viel. Ich war tagsüber nur noch ein wandelnder Zombie, musste jeden Nachmittag Mittagsschlaf mitmachen sonst hätte ich den Tag nicht überstanden.

Der schwierige Teil: wie nachts abstillen?

So, nun zum schwierigen Teil: wie stelle ich das an? Woher weiß ich denn, ob Lovebug Nähe braucht (die würde es auch mit kuscheln geben) oder doch Hunger hat? Teilweise wird nämlich schon noch viel getrunken. Eine Freundin meinte, theoretisch seien Kinder ab 10 Monaten bereit, etwa 7 Stunden auf Essen zu verzichten. Ok, wir sind ja nun schon 17 Monate alt. Dann wird das schon gehen denke ich mir.

Nächstes Problem: Wie höre ich auf? Es gibt tausend Tipps und Tricks. Eine Methode, die ich mir sehr lange und oft angesehen habe ist das 10-Nächte-Programm von Jay Gordon.

10-Nächte-Programm von Jay Gordon

Hier geht es darum, dass das Kind, das im Familienbett schläft, zu bestimmten Zeiten nicht mehr gestillt wird nachts. Gordon empfiehlt, die für sich wertvollste Zeit herauszusuchen, für ihn wäre das von 23 bis 6 Uhr. Er empfiehlt seine Methode aber ausdrücklich nur für Kinder, die älter als 12 Monate sind (je älter desto besser) und nur wenn man sich 100% sicher ist. Kommt ein erstes Zeichen von Unsicherheit dazu, soll man sofort abbrechen und es zu einem späteren Zeitpunkt nochmal versuchen. Klingt doch schon mal sehr sympathisch und ohne Druck. Wie soll diese Methode funktionieren?

10-Nächte-Programm nach J. Gordon: Nächte 1 bis 3

Die ersten 3 Nächte: Vor 23 Uhr wird das Kind weiterhin gestillt, so oft und soviel es möchte. Nach 23 Uhr wird es auch gestillt, es darf aber nicht an der Brust einschlafen. D.h. bevor das Kind wegdöst, lösen. Das gibt Unmut und wird oft mit Gequengel und Wut quittiert. Das Kind bekommt aber erst wieder die Brust, wenn es tatsächlich ohne eingeschlafen ist. Sei es 5 Minuten oder 6 Stunden. Ja das werden anstrengende Nächte sein verspricht Gordon. Auch hier gilt: Bei jedem Anflug von Unsicherheit aufhören.

10-Nächte-Programm nach J. Gordon: Nächte 4 bis 6

Jetzt kommt der große Umbruch: Wenn das Kind nach 23 Uhr aufwacht und trinken möchte, wird es nicht mehr gestillt. Puh, das ist hart und das Kind wird dementsprechend reagieren. Man soll erklären, kuscheln, hoch nehmen, ggf. auch tragen (das sollte aber nicht die Regel werden). Diese Nächte könnten nochmal härter werden. Nach Gordon kann das Baby aber nach der dritten Nacht alleine wieder einschlafen.

10-Nächte-Programm nach J. Gordon: Nächte 7 bis 10

So, das Kind kann also ohne Stillen wieder einschlafen. Nun geht es nochmal einen Schritt weiter: nun soll man das Baby auch nicht mehr hochnehmen, sondern nur mit ihm sprechen und sanft berühren. Auch hier soll sich der Erfolg nach spätestens drei Nächten einstellen.
Während dieses ganzen Programms wird das Kind kein einziges Mal alleine gelassen. Es hat also immer eine Person, an der es seinen Frust rauslassen kann, die für es da ist. Das ist eine der wichtigsten Regeln überhaupt wie ich finde.

Die Umsetzung

Ich weiß nicht wie oft ich mir die Seite durchgelesen habe, am Ende konnte ich sie fast auswendig. Was ich nur nicht verstanden habe: wie soll ich denn dem Kind klar machen, wann 23 Uhr ist? Manchmal bekommt es also was im Bett und dann schlagartig nicht mehr? Soll ich das Licht bis 23 Uhr anlassen? Soll ich einen Wecker ab 6 Uhr klingeln lassen, dass Lovebug weiß jetzt gibt’s wieder was? Das fand und finde ich immer noch sehr komische Regeln. Wie soll ich die denn Lovebug erklären? Sieht so aus, als könnte ich mich nicht ganz an das Programm halten.

Unsere Umsetzung: Nächte 1 bis 3 – ganz ok

Das lösen bevor dem Einschlafen hat manchmal gut, manchmal mit viel Geschrei geendet. Aber es war auszuhalten. Manchmal sind wir auch zum Tragen übergegangen, aber ich glaube nur so 2 bis 3 Mal (ja der Schlafentzug zehrt an der Erinnerung 😉 ). Ok, das war also nicht so heftig wie erwartet, also weiter.

Unsere Umsetzung: Nächte 4 bis 6 – ohoh

Die erste Nacht ohne: es war ein Alptraum. Lovebug schrie 1 Stunde so verzweifelt, das war wirklich nicht auszhalten. Ich habe es beim ersten Mal, also gegen 1 Uhr durchgezogen, aber die Unsicherheit kam. Und so habe ich Lovebug beim nächten Aufwachen gestillt. Der Verlust war einfach zu groß für Lovebug und ich habe es nicht übers Herz gebracht, es nochmal zu machen. Ich war sehr beruhigt und hatte auch gar kein schlechtes Gewissen, „versagt“ zuhaben. Denn Gordon betont es wirklich so oft: nur wenn du 100% überzeigt bist, zieh es durch.

Der Rückzug

So haben wir dann wieder gestillt, eben weiter wie Nächte 1 bis 3. Es war weiterhin im 30 Minuten bis 2 Stunden Rhythmus und ich weiter die wandelnde, blasse Person. Es musste also was passieren, nur was? Ich erklärte Lovebug jeden Morgen, dass die Nacht anstrengend war und ich bald etwas ändern werde. Denn eine müde Mama macht am Tag weniger Spaß. Ich erklärte, dass es bald nachts keine Milch mehr gibt, nur noch in der Früh wenn es hell ist. Etwa 3 Wochen später, während ich wirklich wieder sehr viel darüber nachgedacht habe wie und wann und überhaupt kam es eines Nachts einfach über mich.

Das Fass läuft über

Zum Einschlafen abends braucht Lovebug ja kein Stillen mehr. In dieser Nacht habe ich um 23 Uhr das erste mal nachts gestillt, und als Lovebug um 0 Uhr wieder ankam, war das Fass übergelaufen. Es gab nichts mehr. Ich konnte nicht mehr. Es konnte kein Hunger sein, nur Komfort. Und den konnte Lovebug auch so haben. Und so blieb ich eisern, das Geschrei war auch deutlich weniger. Vielleicht erkannte Lovebug, dass ich es wirklich ernst meinte. Gegen 4 Uhr das gleiche Spiel. Viel reden, kuscheln. Um 7 wurde wieder gestillt. Na denn, die erste Nacht war also geschafft.

Kein Stillen mehr im Bett bis es hell ist, unabhängig von der Uhrzeit

Und so erklärte ich Lovebug geduldig, dass es ab jetzt folgendermaßen ablaufen würde: Kein Essen mehr im Bett. Lovebug wurde abends (nach dem eigentlichen Abendessen) gestillt, aber im Bett nicht mehr. Mein Mantra war: wenn es wieder hell ist. So sollte es auch für Lovebug verständlich sein (denn mit Uhrzeiten war es mir irgendwie zu kompliziert). Lovebug wachte weiterhin alle 2 bis 3 Stunden auf um den gewohnten Weg zur Brust zu gehen, aber die war unter dem Shirt und wollte nicht raus. Es war weniger schlimm als erwartet. Ich erklärte ruhig, dass es später was gibt, dass ich die Wut, den Ärger etc. verstehe und dass es ok ist, wenn alle diese Gefühle rauskommen. Kein Geschrei länger als 10 Minuten.

Ausnahmen bilden die Regel

Allerdings habe ich meine eigene Regel auch etwas aufgeweicht: ab 5 Uhr war Lovebug wirklich hungrig, und da teilweise das letzte Stillen zu dem Zeitpunkt schon 10 Stunden zurücklag, habe ich manchmal auch schon bevor es richtig hell war gestillt. Ich habe zwar extra die Jalousie aufgemacht um etwa Helligkeit reinzulassen und mein Wort nicht gänzlich zu untergaben, aber ganz Tag war es dann doch nicht. So gingen die ersten Nächte und es wurde tatsächlich schnell besser. Weniger Geschrei, weniger oft aufwachen. Und ich habe auch das 5 Uhr stillen von Tag zu Tag etwas verzögert, je nachdem wie ich das Gefühl hatte wie groß der Hunger ist.

Und irgendwann hatten wir es geschafft. Bis 7 Uhr. Regelmäßig. Und das was ich nie geglaubt hätte ist eingetreten: es wird DURCHGESCHLAFEN! Kein Aufwachen, kein Suchen, kein Geschrei. 10 bis 12 Stunden am Stück. Stillen in der Früh. Wow. Ich bin begeistert!

Mittlerweile wacht Lovebug manchmal nachts wieder auf. Zähne, ein aufregender Tag, ein Traum. Aber mit ein wenig Reden wird meist ganz schnell wieder geschlafen. Die Nächte sind nun wirklich wieder erholsam. Für die ganze Familie.

Das eigene Gefühl ist das Wichtigste

Ich kann nur empfehlen, wirklich auf das eigene Gefühl zu hören. Das 10-Nächte-Programm war für mich ein guter Anhaltspunkt und eine tolle Hilfestellung für den Anfang. Ganz nach dem Programm habe ich mich dann aber doch nicht gerichtet. Wenn ihr mehr über das 10-Nächte-Programm von Gordon erfahren wollt, hier einmal die Original Seite (auf englisch) http://drjaygordon.com/attachment/sleeppattern.html
und eine auf deutsch: https://www.stillkinder.de/das-10-naechte-programm-fuer-besseres-schlafen-im-familienbett/

Ich hoffe ich konnte euch mit dem Einblick in unser nächtliches Abstillen ein bisschen Hilfe geben. Hört auf Euch, ihr wisst am besten was zu Euch und eurem Kind passt!

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4 Kommentare

  1. Hallo mrs ea! Vielen Dank für deinen tollen Bericht! Ich habe schon etliche Foren durch gestöbert um Den! Tipp zu bekommen um nachts abzustillen. Habe mir auch schon tausend mal die Ratschläge von gordon durchgelesen aber da sich mein Sohn nicht durch streicheln oder kuscheln beruhigen lässt bin ich noch unschlüssig. Darf ich fragen wie das bei dir war bei dem Zeitpunkt wo das Fass ubergelaufen ist? Hast du da lovebug getragen oder im bett beruhigen können? Liebe Grüße Juliane

  2. Hallo Juliane, genau so ging es mir auch…ich hatte mir wirklich alles durchgelesen was es gibt 😉
    Als ich dann wirklich ganz sicher war dass ich es durchziehen möchte habe ich sie „nur“ im Bett beruhigt. Meistens habe ich ruhig erklärt, dass es jetzt noch nicht Zeit ist, weil es noch nicht hell ist. In den meisten Fällen hat das gereicht bzw. musste ich es natürlich mantra-artig öfter wiederholen aber sie hat es verstanden und sich irgendwann wieder umgedreht und weitergeschlafen. In den Fällen bei denen es wirklich länger gedauert hat und wir uns schon fast der Aufstehenszeit genähert haben (also so ab 5 Uhr), habe ich manchmal doch die Jalousie aufgemacht, damit es quasi schon „hell“ ist und gestillt. Aber diese Ausnahmen habe ich dann zeitlich immer weiter hinausgezögert. Wie alt ist dein Kind denn? Und wann möchtest du beginnen? Viele Grüße und viel Erfolg. Es ist wirklich nicht einfach am Anfang, aber wenn du dir sicher bist dann klappt es bestimmt bald!

    1. 20 Monate ist er gerade geworden. Es gab vor ein paar Monaten eine Zeit da hats super gut geklappt. Ich habe ihn kurz getragen am anfang u nach ein paar Tagen hat er sich gleich auf mich drauf gerollt. Nach 10 Minuten konnte ich ihn wieder runter Rollen. Das war wirklich super vorallem weil er so ca 3 Stunden am Stück geschlafen hat *freu*. Das drauf Rollen wollte ich dann später mal in Angriff nehmen. 🙂 Dann wurde er krank u danach hats nicht mehr funktioniert. Er hat bloß noch gebrüllt. Das Problem ist das er sich nur durchs Tragen dann beruhigen lässt. Wenn ich versuche ihm zu streicheln… Dann wird er richtig sauer u Haut um sich. Ich habe das Gefühl umso älter das er wird umso schwieriger Wirds vor allem weil er auch seinen eigenen Willen entwickelt. Ich bin dann immer im Zwiespalt. Andererseits möchte ich nicht mehr stillen anderseits hab ich dann ein schlechtes Gewissen weils von alleine ja irgendwann aufhören würde… Schrecklich 😉 Aber da ich bald eine röntgen Untersuchung benötige u 3 Tage nicht stillen darf wird das wahrscheinlich jetzt dann die Entscheidung abnehmen konsequent zu sein…
      Danke dir für deine tollen Beiträge! Liebe Grüße

  3. Hallo Juliane, dann hast du ja schon die ersten Nächte geschafft gehabt, das kommt dann sicher wieder. Und es ist ja wirklich kein Hunger mehr sondern „nur“ Komfort…und den kannst du ihm ja auch anders geben.
    Das mit dem beruhigen bzw. einschlafen nur durch tragen hatten wir auch…das habe ich hier aufgeschrieben: http://elternabenteuer.de/2017/05/01/einschlafen-an-der-brust-abgewoehnen/
    Denn ich dachte ich zeige ihr zuerst, dass es auch ohne Tragen oder Kinderwagen geht einzuschlafen. Vielleicht hat es das dann ein bisschen erleichtert nachts.
    Dann hoffe ich dass es bei Euch ohne viele Tränen und Unmut abläuft bis zu deiner Untersuchung. Alles Gute!

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