5 Gründe, warum das Leben in Kalifornien teuer ist. Und 2 dagegen.

Bevor wir uns in unser Abenteuer gestürzt haben, haben wir uns natürlich die Frage gestellt: Können wir uns das Leben in Kalifornien überhaupt leisten? Es war damals schon klar, dass wir erstmal von einem Gehalt leben werden. Da Mrs. EA vorerst mit Lovebug zuhause bleiben würde. Also haben wir einige Nachforschungen angestellt.

Mit dem Ergebnis: Irgendwie wird es mit dem Gehalt, das ich bekomme schon funktionieren. Und wenn nicht, gehen wir eben wieder nach Deutschland zurück. Aber versuchen wollten wir es auf jeden Fall!

Jetzt nach fast einem Jahr USA habe ich ein deutlich besseres Verständnis von den Kosten. Vielleicht hast du dich schon immer gefragt, was das Leben in Kalifornien kostet oder du bist gerade dabei, den grossen Schritt in die USA zu wagen. Aus diesem Grund schreibe ich hier ein wenig unsere Erfahrungen und die 5 Gründe, was das Leben in Kalifornien teuer macht. Und 2 dagegen.

Alles was ich schreibe ist sehr abhängig vom Wohnort und natürlich den eigenem Lebensstandard. Die Kosten werden in Mid-West ein anderes Verhältnis haben als bei uns. Aber gut, los gehts!

1. Wohnen

Wenn man sich den LinkedIn Post von Zillow-Gruender Spencer Rascoff ansieht, ist gleich klar, das L.A. kein billiges Pflaster ist. In seinem Blogpost geht er darauf ein, welchen Anteil vom Gehalt durchschnittlich in L.A. zum Kaufen und Mieten aufgewendet wird. So müssen etwa 47% des Haushaltseinkommens für das Abzahlen von einem Hauskredit aufgewendet werden.

Wir haben uns zwar kein Haus gekauft, aber die Anteil der Miete liegt nicht viel niedriger. Für ein Einfamilienhaus, ca. 100-125qm, renoviert, müssen 3-3,5k$ pro Monat kalkuliert werden. Natürlich gibt es auch Gegenden in L.A., in denen es billigere Mietpreise gibt. Aber in den meisten dieser Gegenden möchte man auch nicht wohnen. Oder gar auf die Strasse gehen müssen.
Wir hatten Glück und haben ein etwas billigeres Haus gefunden. Allerdings könnte es auch die eine oder andere Renovierung vertragen…

2. Nebenkosten

Die Nebenkosten an sich machen auch einen deutlich grösseren Anteil aus, als in Deutschland. Natürlich haben wir die Umstellung von Wohnung auf Haus, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Unser Vermieter lässt unseren Garten automatisch drei mal die Woche bewässern. Nachdem Kalifornien die letzten Jahre von einer Dürre heimgesucht wurde, sind die Preise für Wasser gestaffelt. Das macht sich vor allem durch die Bewässerung des Gartens bemerkbar.
Auch das Alter des Hauses und die schlechte Isolierung tragen zu unseren sehr teuren Nebenkosten bei. Im Sommer, wenn es auch einige Tage am Stück über 40 Grad Celsius haben kann, läuft die Klimaanlage fast durchgehend. Stellt man sie einmal ab, ist es fast schon wieder so warm wie draußen.
Dies sind natürlich beides Luxusausgaben. Allerdings ist es gerade keine Option das Bewässern des Gartens einzustellen. Zum einen möchte ich unseren Vermieter nicht mit einem verdörrten Rasen verärgern. Zum Anderen macht es auch Spaß zusammen auf der Wiese im Garten zu spielen. 🙂
Würde ich ein Haus besitzen, würde ich zumindest den Teil vor dem Haus als Steingarten halten. Oder einfach als kleines Stück Wüste.

3. Lebensmittel

Lebensmittel an sich liegen hier im Preis mit Sicherheit nicht weit über dem Niveau von Deutschland. Wenn man möchte kannst du also bestimmt sehr sehr günstig leben. Was du aber dabei nicht vergessen darfst sind die Regulierungen der Lebensmittelindustrie. Und diese sind bei weitem nicht so ausgedehnt wie in Europa.
So haben wir für uns selber entschieden, dass wir zum Großteil auf organic/bio Lebensmittel zurückgreifen. Vor allem mit einem Baby möchten wir lieber ein bisschen mehr zahlen und uns der besseren Qualität der Lebensmittel bewusst sein.

4. Lebensunterhalt

Wohnen und Nahrung sind natürlich auch hier die grössten monatlichen Ausgaben. Aber auch andere Kosten summieren sich anders ans in Deutschland. Der billigste Handy-Vertrag kostet hier nach Steuern 45$. Mit Telefonflat, SMS-Flat and 2GB Daten für 30 Tage. An sich schon in Ordnung. Aber es gibt keine billigere Alternative. Keine 10 Euro Angebote von Lidl oder ähnliches. Mir ist nicht klar, warum das so teuer sein muss. Anscheinend sprechen sich auch hier die großen Unternehmen gut ab, was die Preisgestaltung angeht.

Viel wird ja über die Krankenkassenversorgung gesprochen, jetzt wo klein Donald am liebsten alles abschaffen will. Wir haben das Glück eine gute Versicherung über meinen Arbeitgeber zu haben. Aber obwohl wir das teuerste monatliche Paket haben, zahlen wir quasi für jeden Arztbesuch nochmal extra. 100-150$ musst du monatlich nochmal rechnen. Hier will ich mich gar nicht darüber beschweren und bin einfach froh, dass wir eine bezahlbare Krankenversicherung haben. Das ist ja nicht immer gegeben hier in den USA.

Urlaub ist hier in Kalifornien unglaublich teuer. Natürlich wollen wir auch ein bisschen was sehen von unserer neuen Heimat. Aber das nötige Kleingeld muss man schon mitbringen. Hotels und Unterkünfte sind deutlich teurer als in Europa. Mit 60 Euro pro Nacht wie in unserem letzten Urlaub am Gardasee in einem schönen Agritourismo kommen wir hier leider nicht hin.

Mit 150-200$ pro Nacht im Hotel musst du schon rechnen. Es gibt ein großes Angebot über AirBnB, aber auch die verlangen ihren Preis. Kalifornien ist eben eine beliebte Urlaubsregion.

5. Soziale Unterstützung

In einem Staat, der am liebsten die Krankenversicherung abschaffen möchte und alle sozialen Zahlungen kürzen ist es nicht verwunderlich, dass es keine soziale Unterstützung wie Kindergeld, Betreuungsgeld oder ähnliches gibt. Wenn man sich darauf einstellt, vermisst man es auch gar nicht so. 😉

Und 2 Gründe dagegen…

6. Benzin

L.A. ist eine absolute Autostadt. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind quasi nicht existent, nachdem im letzten Jahrhundert eine Deckfirma der US-Autoindustrie den öffentlichen Nahverkehr komplett aufgekauft hat und langsam zu Grunde gehen hat lassen.
Es gibt ein paar U-Bahn und Buslinien. Aber es ist quasi unmöglich von uns öffentlich in die Innenstadt zu kommen (zumindest ohne 50 min laufen). Öffentliche Verkehrsmittel bestehen also Hauptsächlich aus Uber, Lyft und Taxi.
Und so müssen auch wir leider deutlich öfter aufs Auto zurückgreifen, als uns lieb ist.

Das gute daran, dass die USA so ein Autoland ist, ist, dass der Autoindustrie daran gelegen ist, dass der Benzinpreis stabil und niedrig ist. Die Gallone (etwa 4 Liter) Benzin kostet bei uns also 2,73$ aktuell. Das sind umgerechnet 72US-cent pro Liter oder 0,60 Euro/Liter. Da kann man mal das Auto nehmen…

Und jetzt musst du bedenken, dass der Staat Kalifornien die höchsten Steuern im Land auf Benzin nimmt. In Detroit tanke ich für unter 2$ pro Gallone. Kein Wunder dass hier so viele mit ihrem Ford F350 durch die Gegend fahren. Aber auch für uns macht sich das finanziell natürlich positiv bemerkbar.

 

 

7. Einkommen

Zum Schluss noch ein positiver Punkt. Das Einkommen. Allgemein ist das Lohnniveau für gut ausgebildete Professionals höher als in Deutschland. Was nun noch dazu kommt sind die deutlich niedrigeren Steuerabgaben.
Nach allen Abgaben bleibt deutlich mehr übrig, als in Deutschland. Und noch dazu gibt es sehr gute Angebote, Vor-Steuer-Einkommen anzulegen. Aber über dieses Thema kann ich vermutlich bald ein Buch schreiben.
Und wieder gehört Kalifornien zu der absoluten Spitze in den USA im Steuer eintreiben. In anderen Staaten, beispielsweise Florida, fällt zum Beispiel keine Einkommenssteuer an. Auf so eine Idee sollte mal jemand in Deutschland kommen…

Fazit

Nach einem Jahr haben wir nun ein sehr gutes Verständnis, was das Leben in Kalifornien kostet. Viele Sachen sind anders als in Deutschland und einige Kosten hatten wir nicht bedacht, als wir die Entscheidung getroffen haben, in die USA zu gehen.

Wenn du darüber nachdenkst in die USA oder nach Kalifornien zu ziehen, oder dich immer gefragt hast, was das Leben in Kalifornien eigentlich kostet, hoffe ich, ich konnte dir ein wenig Einblick geben.

Wie ist es dir ergangen, als du ins Ausland gezogen bist? Welche neuen Kosten hattest du komplett übersehen?

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