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Schwanger in den USA – was ist anders im Vergleich zu Deutschland

Meine erste Schwangerschaft und Geburt habe ich komplett in Deutschland verbracht. Die 2. Schwangerschaft und Geburt dann komplett in Kalifornien. Ich kann also einen ganz guten Vergleich ziehen, was anders, besser oder schlechter ist. Wie also meine Schwangerschaft im heißen kalifornischen Sommer verlief könnt ihr hier nachlesen:

Frauenärzte in USA

Dann kam schon gleich das erste Hindernis: einen Frauenarzt finden. Es muss erstens einer sein, der unsere Versicherung akzeptiert. Denn nicht alle Ärzte akzeptieren jede Versicherung.
Hier in USA ist es so, dass der Arzt mit einem Krankenhaus kooperiert und dort dann das Baby zur Welt bringt. Entweder kann man also einen Frauenarzt suchen und sich dann überraschen lassen mit welchen Krankenhaus er zusammenarbeitet oder man möchte in einem speziellen Krankenhaus entbinden und sucht sich dann einen entsprechenden Arzt.
Ich habe es so gemacht, dass ich auf jeden Fall einen kurzen Fahrtweg haben wollte, denn mit dem Verkehr in Los Angeles weiß man ja nie. Und ich möchte im Fall des Falles dann nicht 2 Stunden im Stau stehen und mein Kind im Auto bekommen. So habe ich also gesucht, dass ich eine Ärztin finde, die meine Krankenversicherung und mein Krankenhaus akzeptiert. Nicht ganz einfach, etwa 5 oder 6 Praxen musste ich abtelefonieren um eine zu finden.

Schwangeren-Betreuung in USA

Nun hatte ich also eine Ärztin gefunden, die ich auch ganz sympathisch fand. Es läuft ähnlich wie in Deutschland, dass alle 4 Wochen zur Vorsorge gegangen wird. Ähnlich wie in Deutschland wird auch immer der Urin untersucht und man bespricht alle Vorkommnisse (soweit es welche gab) mit der Ärztin.

Was ist anders bei der Schwangerschaftsvorsorge in USA?

Mehr Ultraschall

Nur ich wurde nur ein einziges Mal, also beim ersten Mal, auch untersucht. Die weiteren Male wurde immer nur ein (kurzer) Ultraschall gemacht ob alles ok ist. Neben einem Gespräch mit der Ärztin sonst nichts. Ich wollte diese Ultraschalls so kurz wie möglich halten (bei der ersten Schwangerschaft hätte ich am liebsten bei jedem Termin einen gemacht). In Deutschland habe ich nur die 3 „großen“ Ultraschalls erhalten und dann eben nur wenn es irgendein „Problem“ gab. Weitere Ultraschalls mussten in Deutschland extra gezahlt werden. Lustigerweise war die Qualität der Ultraschallbilder in USA soooo dermaßen schlecht, dass ich gar keine mehr wollte, da man wirklich gar nichts erkennen konnte. Die Bilder waren in Deutschland viel besser. Keine Ahnung ob die Technik in dieser Praxis älter oder der Drucker so schlecht war 😉

Nur eine Blutuntersuchung

Auch wurde nur ein einziges Mal mein Blut untersucht, etwa in der Mitte der Schwangerschaft. Es hieß das reicht um den Eisenwert zu bestimmen und ggf. Supplemente zu geben. Auch wurde nie auf Toxoplasmose oder Zytomegalie getestet, was in Deutschland alle 2 Monate gemacht wurde (ob das sinnvoll ist oder nicht lasse ich dahingestellt sein). Alles in allem war ich ehrlich gesagt ganz froh so selten gepiekst zu werden 🙂

Keine CTGs

Es gab tatsächlich kein einziges CTG. Als ich danach fragte meine meine Ärztin nur: „Was sollen denn Wehen, die ich nicht spüren kann, schon aussagen?“ Diese Erklärung fand ich eigentlich recht schlüssig. Denn wenn das CTG sagt man hat Wehen, merkt sie aber nicht – schürt das dann eher Unsicherheit oder nicht? Außerdem fand ich das sowieso in Deutschland eher unangenehm am CTG angeschlossen rumzuliegen.

Unsicherheit durch medizinischen Plan

Leider wurde aber auch oft große Unsicherheit verbreitet, denn es läuft eben alles „nach Plan“, und das ist ein sehr medizinischer Plan. Da ich ja der „natürliche Geburt“ Fan bin, kam mir das leider sehr in die Quere. Denn es werden allerlei Untersuchungen angeboten bzw einfach gemacht, um irgendwelche genetischen Krankheiten zu entdecken*. Da ich das alles ablehnte, wurde ich oft fragend angesehen. Jedes Mal musste ich unterschreiben, dass ich gewisse Untersuchungen nicht wollte. Und dafür wurde mir immer erklärt wie risikoreich das doch wäre etc, was leider eine gewisse Unsicherheit gefördert hatte, die ich ich den folgenden Tagen nach dem Arzttermin erst wieder abbauen musste. Das war der größte Minuspunkt!

Offenes Gespräch über natürliche Geburt

Da dann alles immer so medizinisch und nach einem gewissen Standard ablief, musste ich mit meiner Ärztin unbedingt ein ernstes Wörtchen reden. Denn hier werden eigentlich bei jeder Geburt eine PDA gesetzt, oft werden chemische Mittelchen gegeben ohne den natürlichen Verlauf abzuwarten und ein Kaiserschnitt wird doch recht schnell mal angeraten. Das wollte ich alles nicht, denn meine erste Geburt lief zwar nicht ganz wie geplant, aber doch natürlich und ohne Schmerzmittel. Deswegen musste ich unbedingt mit der Ärztin sprechen, ob wir in einem Boot sind und sie unsere Vorstellungen unterstützt. Am Ende weiß man natürlich nie ob diese Vorstellung auch Wirklichkeit wird, jedoch war es mir wichtig nicht zu früh zu einem Kaiserschnitt gedrängt zu werden oder sonstige Mittelchen aufgeschwatzt zu bekommen. Und da hatten wir Glück. Unsere Ärztin unterstützte alles. Wir haben einen Geburtsplan gemacht, was wir wollen und was wir ablehnen. Und sie war sehr verständnisvoll und unterstützend. Ein Glück!

Geburtshäuser in USA

Eigentlich wäre ja ein Geburtshaus meine erste Wahl gewesen. Es gibt einige Geburtshäuser bei uns im Umkreis und es wäre mir am liebsten gewesen dort zu entbinden. Da ich an natürliche Geburt glaube und daran, dass Frauenkörper dafür geschaffen sind, habe ich keine Bedenken gehabt, in ein Geburtshaus zu gehen. Dann kommen aber hier wieder die Hindernisse: Geburtshäuser werden von Versicherungen nur teilweise akzeptiert, d.h. sie übernehmen die Kosten nur zwischen 30 und 70%. Da uns das leider dann finanziell zu riskant war, mussten wir das schon recht früh ausschließen.

Krankenhaus-Besichtigung

So, nun wollte ich dann auch das Krankenhaus sehen, in dem ich wohl unser Baby bekommen würde. Das habe ich früh genug getan, um mich im Falle des Falles doch noch nach einem anderen Krankenhaus oder Arzt umsehen zu können. Aber alle Befürchtungen waren bei der ersten Besichtigung wie weggeblasen. Es war so schön, wie im Hotel. Ein großer Flachbildschirm im Kreißsaal, dieser eingerichtet wie ein Hotelzimmer. Klar gab es auch das Bett, das CTG Gerät (das wird dann bei der Geburt gemacht) und das High-Tech-Babybett. Aber sonst recht gemütlich. Ich konnte auch mit einer der Schwestern (keine Hebammen, die gibt es eigentlich nicht im Krankenhaus) sprechen, die sich ausdrücklich für natürliche Geburten ausgesprochen hat. Auch die anderen Schwestern sahen sehr freundlich aus.

Keine Hilfsmittel im Kreißsaal

Leider fehlen hier aber alle „Hilfsmittel“ für eine Geburt. D.h. es gibt keine Hocker, Sprossenwände, Tücher oder Bälle wie es sie in deutschen Kreißsälen oft gibt. Es ist nur das Bett da. Alles was man bei der Geburt benutzen möchte, muss man selbst mitbringen. Es gab auch keine Badewanne oder andere Möglichkeiten zur Wassergeburt. Das lag wohl eher daran, dass es kein spezialisiertes Krankenhaus für Geburten ist. „Richtige“ Geburtskrankenhäuser haben oft Wannen habe ich mir sagen lassen. Da das aber eh nicht mein Favorit ist, war das für mich nicht so schlimm.

Fazit Schwanger sein in USA

Im Grunde ist die Versorgung natürlich sehr gut und mit deutschen Standards zu vergleichen. Ein paar Dinge sind eben anders, wie dass der Frauenarzt bei der Geburt dabei ist, was ganz schön ist, da ein bekanntes Gesicht ja netter ist als ein unbekannter Arzt. Nicht so gut gefiel mir, dass alles „nach Plan“ gemacht wird ohne wirklich auf die individuellen Wünsche der Frau einzugehen.

*Das ist natürlich deiner Familie selbst überlassen, welche Untersuchungen du durchführen lassen willst.
Alle Erfahrungen werden aus subjektiver Sicht, so wie ich sie erlebt habe dargestellt und sind natürlich nicht Allgemeingültig für die USA.

Ein Gedanke zu „Schwanger in den USA – was ist anders im Vergleich zu Deutschland“

  1. Hallo Mrs. EA,
    eine Freundin von mir ist vor ein paar Jahren nach Kalifornien ausgewandert und hat mittlerweile zwei Söhne. Sie berichtete ähnliche Unterschiede zur Versorgung Schwangerer im Vergleich zwischen den USA und Deutschland. Dennoch war auch sie sehr zufrieden mit der Versorgung und fühlte sich bestens vorbereitet für die Geburt.
    Gruß Heidi

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