Kalifornien – Was ich lieb und was ich hass

California Beach, Santa Cruz

Silvester 2013/14 haben Mrs. EA und ich den Vorsatz gefasst, nochmal im Ausland zu leben. Wir haben beide während unseres Studiums ein Auslandssemester gemacht. Diese Erfahrung wollten wir noch einmal gemeinsam erleben. Schweden und USA waren die ersten Ziele, die uns eingefallen sind. Und wenn ich USA sage, meine ich eigentlich Kalifornien. Wer möchte nicht einmal in Kalifornien leben? Immer Sommer, Sonne und Strand. Wer will das nicht?
Nach meiner ersten Recherche waren diese Pläne sehr schnell wieder vergessen. Es ist gar nicht so einfach ein Visum für die USA zu bekommen. Das hatten wir uns aber viel einfacher vorgestellt.
Als im Frühjahr 2016 die Möglichkeit bestand nach Kalifornien zu ziehen, haben wir nicht lange überlegt. Visum wurde von meiner Arbeit organisiert. Also alles eingepackt und los ins Abenteuer.

Mittlerweile leben wir seit 1,5 Jahren in den USA. Eine gute Zeit um zurück zu blicken. Was habe ich über Kalifornien und das Leben hier gelernt?

Wetter

Zuerst natürlich das Wetter. Wer denkt bei Kalifornien nicht an Sommer, Sonne, Strand. Du darfst dabei nicht vergessen, dass Kalifornien größer ist als Deutschland. Das Wetter im Norden also ganz anders ist als im Süden.
Wir sind in Süd-Kalifornien gelandet. Also Sommer, Sonne, Strand. Und dieses Klischee ist wirklich richtig. Diesen Winter hatten wir insgesamt nicht mehr als 10 Tage Regen. Im Sommer regnet es ohnehin nicht.

Was ich lieb
Die Winter sind wirklich mild. Tagsüber hatten wir kaum einmal unter 15 Grad Celsius. Obwohl ich sagen muss, dass das schon ziemlich kalt ist und ich meine dicke Jacke anziehen musste. Man gewöhnt sich einfach an das warme Wetter.
Durch die wenigen Regentage kannst du immer draußen sein. Sonntag in 5 Wochen abends Grillen bei uns? Kein Problem. Es wird auf jeden Fall die Sonne scheinen und warm sein.
Alle meine Draußen-Hobbies, Fahrradfahren, Surfen, Tennis, etc. sind das ganze Jahr über möglich.

Was ich hass
Auch wenn es im Winter nicht wirklich kalt wird, ist es im Haus trotzdem sehr kalt. Das Problem ist weniger das Wetter, als die Hausisolierung. Die Temperaturen drinnen und draußen sind morgens die gleichen. Das Heizgebläse ist leider keine gute Alternative für nachts.
Die Sommer, auf die man sich als Deutscher ja eigentlich gefreut hat, sind hier eher zum vergessen. Im Schnitt gibt es 3-4 Phasen, in denen es 40-45 Grad Celsius hat. Und das für 7-10 Tage am Stücke. Wenn ich um 7 Uhr auf mein Fahrrad steige und es bereits über 30 Grad hat, freue ich mich sehr auf das klimatisierte Büro!

Steuern

Ob wir in Deutschland zu viel Steuern zahlen und ob es gerechtfertigt ist, möchte ich nicht bewerten. Sicher ist, dass ich in USA auf mein Gehalt und alles weitere, weniger Steuern zahle.
Die Steuersätze variieren sehr stark von Bundesland zu Bundesland. Es gibt Staaten, in denen keine Einkommensteuer erhoben wird.
Kalifornien bewegt sich „leider“ am oberen Ende der US-Steuerskale.

Was ich lieb
Wer mag es nicht, mehr Netto vom Brutto zu haben? 🙂

Was ich hass
Natürlich schaue ich ein wenig neidisch zu allen anderen Bundesstaaten, in denen ich weniger Steuern zahlen müsste. Ein Kollege ist von Kalifornien nach Georgia gezogen. Damit hat er ein Netto-Gehaltserhöhung bekommen. An sich keine schlechte Sache.
Was mich aber am meisten stört ist, dass generell zu wenig Steuern gezahlt werden. Natürlich widerspreche ich mir da ein wenig selber. Aber wenn ich die Zahl der Obdachlosen und offensichtlich Hilfsbedürftigen Menschen, die auf der Straße leben sieht, muss ich das System hier schon hinterfragen. Die reichste Nation der Welt, schafft oder will es nicht, sich um die Schwächsten der Gesellschaft zu kümmern? Da zahle ich lieber in Deutschland ein wenig mehr Steuern.

Verkehr


Dieses Video ist alles, was ich zum Verkehr in LA zu sagen habe. Witziger Weise stand ich selber in diesem nicht enden wollenden Stau, da ich unsere Mütter zurück zum Flughafen fahren „durfte“.
Die einzige Möglichkeit nicht im Stau zu stehen, ist, zwischen 1-5 Uhr in der Früh zu fahren. Ansonsten ist IMMER Stau.

Menschen

Die Menschen in LA sind schon eine eigene Spezies für sich. Es ist ein zusammengewürfelter Haufen aus aller Herren Länder. Bei diesem Multi-Kulti sollte man meinen, dass jeder offen ist. Allerdings ist das Leben in LA sehr competetiv. Sprichst du jemanden an, frag derjenige sich, was du von ihm willst. Jeder evaluiert ob du von ihm profitieren willst, oder ob er von dir profitieren kann.
Mir ist diese komische Art aufgefallen. Meine Kollegen, von denen die meisten auch in anderen Teilen der Staaten gelebt haben, haben mir das erklärt und bestätigt. In anderen Teilen der USA gibt es diesen Druck nach vorne zu kommen nicht. Dort sind die Leute offener und herzlicher.
Was ich lieb

Diese Art, dass jeder erstmal für sich sein will hat auch etwas Gutes. Vor allem mit Kleinkindern ist es angenehm, wenn nicht jeder Fremde auf einen zukommt und die Kinder anfassen will. Wenn du es nicht möchtest, kannst du hier dein Leben in Ruhe genießen.
Was ich hass

Vor allem wenn du neu in dieser Umgebung bist, ist es natürlich schwer, Leute kennenzulernen. In den Germans in LA Gruppen finden sich immer wieder Kommentare, wie schwer es ist, Anschluss zu finden und Freunde zu gewinnen.
Wenn wir auf der Straße spazieren gehen und uns jemand entgegenkommt, ist es nicht sicher, dass unsere Nachbarn uns auch grüßt. Teilweise schauen die Leute auf den Boden, gehen an dir vorbei und wollen für sich bleiben. Es ist einfach ein wenig anders als zuhause und du brauchst nicht erwarten, dass du hier mit offenen Armen empfangen wirst.

Fazit

In Deutschland haben viele Leute den Traum in die USA und vielleicht nach Kalifornien auszuwandern. Das Gras ist eben immer grüner auf der anderen Seite. Nach 1,5 Jahren kann ich sagen, es gibt vieles, was mir besser gefällt als in Deutschland. Aber auch vieles was mich stört.
Ich möchte niemandem seinen Traum von Kalifornien ausreden. Für uns wird es das sein, was wir von Anfang an wollten. Eine Erfahrung in unserem Leben, die wir machen wollten. Aber sicher nicht der Traum, aus dem ich nicht mehr zurückkehren kann.
Aus der Ferne betrachtet hat Deutschland nämlich doch sehr viele schöne Seiten!

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